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Nach außen hin
schien die Grundhaltung des norwegischen Black Metal der fühen Neunziger Jahre
eindeutig fassbar; ausgerechnet in diesem Umfeld führten IN THE WOODS... einen
grundlegenden Wandel im Kunstverständnis herbei. Denn plötzlich war da eine
Band, die eindeutig aus dem immer populärer werdenden Genre hervorgegangen ist,
aber dadurch anders klingt, dass sie die eigene Musik nicht als Mimesis
irgendeiner Wirklichkeit, irgendwelcher Stilgebote verstanden wissen will.
Primär geht das darauf zurück, dass die Künstler ihre Bestimmung stets darin
gesehen haben, Boten von etwas zu sein, das tief in ihnen ruht. Dieses
Verständnis ist keinesfalls neu, sondern von Bewegungen wie etwa der deutschen
Frühromantik bekannt, die den göttlichen Funken in vielen Werken wusste und der
Selbstreflexion im Rahmen ihres Schaffens zu neuer Popularität verhalf.
Die Geschichte beginnt im Herbst 1992, als sich allmählich
herauskristallisierte, dass wegen Tchorts anderweitiger Engagements (Emperor)
eine vorläufige Zersplitterung Green Carnations nötig werden würde, um den
künstlerischen Willen aller beteiligten Musiker nicht zu hemmen. Zu jener Zeit
war die nordische Mythologie das lyrische und Bathory das musikalische
Faszinosum - beides hat IN THE WOODS... überhaupt erst möglich gemacht. Seitdem
kompensieren sie mit jeder Veröffentlichung Lebensabschnitte.
"Isle Of Men", das erste Lebenszeichen, erschien 1993. Unweit der
Wohnorte mit spartanischem Equipment aufgenommen, ließen die extremen
Demo-Aufnahmen schon erahnen, dass vieles bei IN THE WOODS... bald über die
Improvisation funktionieren würde.Mit "Heart Of The Ages" schwimmen
sich IN THE WOODS... frei und zeigen, dass
heidnisches Denken dazu taugt, mit den eigenen Gefühlen ins Reine
zu kommen. "Es ist nicht wichtig,
wovon unsere Texte handeln, es geht darum, dass sie wie die Musik ein Gefühl
transportieren [...]", bringt Sänger Jan Transit die Essenz seiner Band
auf den Punkt. Seltsame psychedelische Klänge sind mit Black Metal verwoben;
die Presse erkennt die Anwendung von King Crimson auf Bathory. Und glaubt man
den EPs, die von IN THE WOODS... in schöner Regelmäßigkeit aufgenommen werden,
um ihren musikalischen Einflüssen zu huldigen, ist das längst kein Gegensatz
mehr. 1997 folgt das bis dahin ambitioniertes Album: "Omnio". War
vorher alles zumindest dadurch im Black Metal verhaftet, dass streckenweise der
für das Genre charakteristische Keifgesang zum Einsatz kam, präsentieren IN THE
WOODS... jetzt ein Werk, das einem allumfassenderen künstlerischen Anspruch folgt,
der die eindrucksvolle visuelle Gestaltung ebenso umspannt wie die zum Teil
sehr persönlichen Texte und die epische Musik.
Die ist generell weniger metallisch ausgerichtet, elegisch, melancholisch, fast
sylphenhaft. Inzwischen gehören IN THE WOODS... zu den einflussreichsten
Künstlern Norwegens; überall streichen sie herausragende Pressestimmen ein.
Nichts wäre jetzt ehrenhafter gewesen, als "Omnio" einen ebenbürtigen
Nachfolger zu schenken.
1999 bricht "Strange In Stereo" mit vielen Erwartungen. Warum nahmen
IN THE WOODS... einen solchen Schritt? Schlechte Zeiten gingen den Aufnahmen
voraus. Trennungen, Verluste, langwierige Krankheiten, die wachsende Angst vor
sozialen Kontakten - daraus wurde "Strange In Stereo", die mit
Abstand intensivste Platte der Norweger, geboren. Tatsächlich fallen die
verzagten Stücke schon dadurch aus dem Rahmen,
dass ihre Komplexität nicht daraus konstituiert ist, möglichst viele
Ideen mit einen Mal umzusetzen, der Fokus also besonders auf eine einzigen Stimmungsmoment liegt. Als "ode
to timeless psychedelic music" erscheint "Three Times Seven On A Pilgrimage" im März 2000 auf Prophecy
Productions; Eingeweihten schwant bereits, dass es das letzte IN THE WOODS...-Werk
sein könnte. Eingebettet zwischen den bekannten Adaptionen von Rock-Nummern der
späten Sechziger und frühen Siebziger Jahre, stehen wunderbar-leidenschaftliche
Eigenkompositionen, die leise und laut, aufwühlend und beruhigend, düster und
lichtdurchflutet sind. Welches prophetische Moment einem Stück wie 'Karmakosmik'
dabei innewohnt, erschließt sich jedoch erst, als die eigene Plattenfirma
getauft wurde.
Im Herbst
2000 geben IN THE WOODS... ihre Auflösung bekannt.
Dieser
ereignisreichen Vita ein schlichtes Aus folgen zu lassen, wäre IN THE WOODS...
nicht würdigt gewesen. "In The Woods... Live At Caledonien Hall", heißt das Mammut-Vorhaben, das am
29. Dezember in der Heimatstadt Kristiansand angegangen wurde; eine knapp
dreistündige Retrospektive einer der bedeutendsten Formationen unserer Zeit
sollte es werden.
Farewell, IN THE WOODS...!
Trackliste:
CD1:
1 Introducing...
2 Medley On Heartworks
3 Heart Of The Ages
4 Beer
5 White Rabbit
6 Mourning The Death Of Aase
7 299.796 km/s
8 I Am Your Flesh
9 Kairos
10 Weeping Willow
11 Omnio (Pre)
CD2:
1 Omnio (Bardo + Post)
2 Empty Room
3 Don´t Care
4 Dead Man´s Creek
5 Karmakosmik
6 Path Of The Righteous
7 Titan Transcendence
8 Epitaph
9 Closing In
Katalog Nr.: kkx 001
Barcode: 4 039053 130125
Format: CD
Label: Karmakosmetix
Herkunft: Norwegen
VÖ: 08/2003
Besetzung:
Mista Transit: Vocals (except 3,6 on CD1)
C:M Botteri: Bass
X-Botteri: Guitar
A. Kobro: Drums
Christer A. Cederberg: Guitar (+ Voc. Track 3 on CD1)
Oddvar A:M: Guitar
Björn: Guitar
Synne: Female Vocals
Stein: Bass
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